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Gemeinde Kößlarn

Auf einen Blick:

PLZ: 94149
Tel.-Vorwahl: 08536
Einwohner: 1932
Höhe ü. NN: 425 m
Fläche: 2554 ha - davon 967 ha Wald und 1504 ha landwirtschaftl. Nutzfläche

Geschichte des Marktes Kößlarn

Historische Daten

Der Markt Kößlarn ist einer der ältesten Wallfahrtsorte Bayerns. Von der Bedeutung als Wallfahrtsstätte erschließt sich auch die Geschichte des Ortes.
Wo sich heute der Markt Kößlarn mit seinem stattlichen Marktplatz und der mächtigen den ganzen Ort beherrschenden Pfarrkirche ausbreitet, war noch in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Wald.

Urzelle des Marktes Kößlarn war der „Hof im Köstl (Kößl) vor dem grünen Wald“, der als Einödhof am Kößlbach lag und sicher schon seit dem 12./13. Jahrhundert bestand. Das Gebiet des heutigen Marktes gehörte zur Herrschaft der Grafen von Vornbach/Neuburg am Inn, dann von Ortenburg und schließlich zum Herzogtum Bayern. Kirchlich war das Gebiet Teil der Pfarrei „Münster“ „= Rotthalmünster“ im Bistum Passau, auf die Kaiser Ludwig der Bayer das Besetzungsrecht hatte, das er 1343 dem Zister-zienserkloster Aldersbach übertrug. Papst Sixtus IV übergab 1476 die Pfarrei Rotthalmünster mit den Filialen Kühnham und Kößlarn vollständig dem Kloster Aldersbach. So erklärt sich, dass von 1476 an bis zur Säkularisation 1803 fast nur Zisterzienser von Aldersbach Pfarrei und Wallfahrt verwalteten, die mit ihrer volksnahen Seelsorge größte Verdienste am Aufblühen der Wallfahrt und des Marktes hatten.
1364 begann mit der Auffindung einer Muttergottesstatue auf der dem Kößlhof nahen nördlichen Anhöhe bei der „großen Cronwethstauden“ und mit der wunderbaren Heilung des todkranken, alten Kößlbauern die Marianische Wallfahrt Kößlarn (siehe auch Pfarr- und Wallfahrtskirche Kößlarn). Es waren schwere Zeiten und Notjahre – 1348 waren viele Menschen an der Pest gestorben - , und auffallend schnell verbreitete sich die Kunde von der Wunderheilung. Die beim Kößlhof errichtete Holzkapelle mit dem „Gnadenbild“ musste schon 1400 durch die erste Steinkirche mit 3 Altären ersetzt werden. 1448 wallfahrteten schon 137 Pfarreien nach Kößlarn, das zu dieser Zeit vor Altötting meist besuchter Wallfahrtsort im „Unterland“ Bayern war. 1451 kam es zum zweiten Kirchenbau und Neubau des Hauptschiffes.
1478 erhielt Kößlarn von Aldersbach eigene Seelsorger: Pfarrvikar und Kaplan, zeitweise auch einen eigenen Wallfahrtsprediger. 1480 stiftete Herzog Georg der Reiche von Landshut das 3. Benefizium (nach den 2 Benefizien von 1462 und 1470). In der ersten Blütezeit der Wallfahrt waren also 3 Zisterzienser und 3 Weltgeistliche (Benefiziaten) in Kößlarn.

Mit der Entstehung der Wallfahrt und der folgenden großen Bautätigkeit für die Kirche und Priesterwohnungen sowie für die Unterbringung der vielen Wallfahrer setzte eine allgemeine Besiedlung und Bautätigkeit in Kößlarn ein, sodass aus dem Weiler ein Dorf und daraus schnell der Markt wurde, wie er sich noch heute im Bereich des Marktplatzes, des Oberen Marktes sowie des Angers präsentiert. Von 1461-1480 wurden von dem berühmten Baumeister Michael Sallinger von Pfarrkirchen für die drei Benefiziaten um die Kirche herum Priesterhäuser gebaut, die mit dem Pfarrhof durch eine Ringmauer mit Schießscharten verbunden waren. So hat man zum Schutz der reichen Kirchenschätze eine Kirchenbefestigung geschaffen, die heute noch erhalten ist und mit der Kirche den ganzen Markt prägt.

Die niederbayerischen Landesherrn in Landshut wurden die größten Gönner und Wohltäter des aufstrebenden Ortes: 1474 erteilte Herzog Ludwig der Reiche die Erlaubnis, Schankstätten für Bier und Wein sowie Herbergsstätten für Wallfahrer zu errichten. 1483 verlieh Herzog Georg der Reiche Kößlarn das Marktrecht und gestattete die Abhaltung von 3 Jahrmärkten. 1488 erhielt Kößlarn ebenfalls von Herzog Georg das Recht zur Führung eines Wappens. Das Wappen zeigt den Kopf eines Ebers. Auch die Ermächtigung, einen Wochenmarkt abzuhalten, verlieh der Herzog in diesem Jahr.

Der herrschaftlich ausgestattete Markt, der unter den anderen Siedlungen des Rottales eine deutliche Vorrangstellung einnahm, wurde nun weiter zu einem religiösen und wirtschaftlichen Zentrum ausgebaut. Dies schlug sich auch nieder in der Erweiterung der Kirche, die der berühmte Abt Wolfgang Marius von Aldersbach in den Jahren 1515-1518 vornehmen ließ. Er ließ den großen Chor bauen und stattete die Kirche mit 7 Altären aus.
Die Kombination von Wallfahrtsort als religiösem Kern und betriebsamen Marktflecken als Wirtschaftszentrum ließen Kößlarn auch zu einem Herrschaftsmittelpunkt der Wittelsbacher werden. Diese Bedeutung brachte den Ort aber in den Schnittpunkt politischer Interessen. An der Grenze zwischen Österreich und Bayern und der damit verbundenen Machtsphären gelegen, gewann der aufstrebende Markt zusehends an militärischer Bedeutung und so hatte die Anlage der Kirchenburg gewiss religiöse Gründe, war aber ebenso als Stützpunkt Bayerischer Macht zur Inngrenze angelegt.
Dieser Umstand bestimmte den Verlauf der folgenden Jahrhunderte, die von einem wechselvollen Schicksal gekennzeichnet waren: die politischen und religiösen Unruhen innerhalb Europas gingen auch an Kößlarn nicht spurlos vorüber.

Die Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert, die nachfolgenden Kriege 1618-1648 mit dem Einfall der Schweden und der Plünderung 1648 (Gnadenbild und Wallfahrtsschatz konnten gerade noch rechtzeitig nach Braunau gerettet werden), die furchtbaren Pestjahre 1648/49 mit 516 Pestopfern in der Pfarrei, die Kriege des 18. Jahrhunderts mit zehnmaliger Plünderung im Jahr 1743, die Abtrennung des Innviertels an Österreich 1779, am meisten aber die Vertreibung der Zisterzienser Wallfahrtsprediger 1803 verursachten den Niedergang der Wallfahrt, aber auch des wirtschaftlichen Lebens im Markt. Das 18. Jahrhundert hatte mit der Einführung der Rosenkranzbruderschaft noch einmal eine zweite Blüte gebracht: Über 1000 Pilger an den ersten Sonntagen im Monat, über 20.000 beim 400jährigen Jubiläum der Wallfahrt in der Festwoche 2. - 9. September 1764. 1858 zählte der Markt 115 Häuser und 753 Einwohner. 1868 brannte die nördliche Häuserzeile des Marktplatzes ab, sie wurde jedoch wieder vollständig aufgebaut. Die schweren Zeiten der beiden Weltkriege hat der Markt relativ unbeschadet überstanden. 1971 schlossen sich die Gemeinden Hubreith und Thanham freiwillig mit dem Markt Kößlarn zusammen. Dieser wurde 1978 im Zuge der Gebietsreform zwangsweise Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Rotthalmünster, hat aber nach jahrelangem Kampf ab 01.01.1990 wieder die Selbständigkeit der Verwaltung erreichen können. Das für die eigene Verwaltung notwendige Rathaus wurde daraufhin an seinem angestammten historischen Platz neu errichtet und im Oktober 1990 feierlich seiner Bestimmung übergeben.

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